Kurzantwort
Case-ID, Aktivität und Zeitstempel bilden den klassischen Event Log. Produktions- und Logistikprozesse benötigen häufig zusätzlich eine objektzentrierte Sicht auf Aufträge, Materialien, Chargen und Lieferungen.
Was leistet Process Mining?
Process Mining rekonstruiert beobachtete Prozessabläufe aus Ereignisdaten und verbindet Prozessvarianten mit Zeiten, Mengen, Ressourcen und Abweichungen. Es kann Process Discovery, Conformance Checking, Performanceanalyse und operative Unterstützung umfassen.
Der Event Log ist ein fachliches Modell
Ein klassischer Event Log enthält mindestens Fallbezug, Aktivität und Zeitstempel. In Produktion und Logistik muss zusätzlich geklärt werden, was ein Fall ist. Kundenauftrag, Fertigungsauftrag, Material, Charge, Handling Unit und Lieferung stehen miteinander in Beziehung. Werden sie vorschnell auf eine einzige Case-ID reduziert, entstehen Duplikate oder Kontextverluste.
- 01
Frage
Entscheidung und Systemgrenze
- 02
Datenmodell
Fälle, Objekte, Ereignisse
- 03
Qualität
Vollständigkeit und Semantik
- 04
Analyse
Varianten, Zeiten, Regeln
- 05
Verifikation
Ursache und Maßnahme
Datenqualität vor Prozessgrafik
- Welche fachliche Bedeutung hat jeder Zeitstempel?
- Werden Statusänderungen überschrieben oder historisiert?
- Gibt es Dubletten, Stornos oder technische Wiederholungen?
- Welche Ereignisse entstehen verspätet oder manuell?
- Sind Zeitzonen und Reihenfolgen konsistent?
- Fehlen Fälle, die den Prozess ohne Buchung durchlaufen?
Grenzen von Directly-Follows-Graphen
Ein Directly-Follows-Graph zeigt, welche Aktivität unmittelbar auf eine andere folgte. Parallelität, Schleifen und implizite Abhängigkeiten können dadurch missverständlich erscheinen. Werden seltene Knoten oder Kanten über Häufigkeitsschwellen ausgeblendet, verändert sich zudem das dargestellte Verhalten. Van der Aalst beschreibt diese Risiken im Fachbeitrag A practitioner's guide to process mining: Limitations of the directly-follows graph.
Vier Analyseebenen
| Ebene | Frage | Ergebnis |
|---|---|---|
| Discovery | Welche Abläufe wurden beobachtet? | Varianten und Prozessmodell |
| Performance | Wo entstehen Zeit und Bestand? | Wartezeit, Durchlaufzeit, Engpassmuster |
| Conformance | Wie weicht Ist von Regel oder Soll ab? | Abweichungen mit Kontext |
| Enhancement | Welche Zusatzdaten erklären Verhalten? | Ursachenhypothesen und Segmente |
Von der Korrelation zur Maßnahme
Ein Muster ist noch keine Ursache. Prozessverantwortliche prüfen, ob beispielsweise ein Lieferant, eine Schicht oder Produktgruppe wirklich die Abweichung erklärt oder nur gemeinsam mit einem dritten Einfluss auftritt. Maßnahmen erhalten Zielkennzahl und Kontrollgruppe beziehungsweise Vorher-Nachher-Logik.
Projektbezug: Process-Mining-Beratung, Wertstromanalyse, Event Log und Object-Centric Process Mining.