Kurzantwort
Das Lastenheft beschreibt aus Auftraggebersicht, was das Lagerverwaltungssystem leisten soll und wofür. Zielprozesse und Systemgrenzen kommen vor einzelnen Softwarefunktionen.
Was gehört in ein WMS-Lastenheft?
Ein WMS-Lastenheft beschreibt Ziel, Prozesse, Mengen, Rollen, Funktionen, Systemgrenzen, Schnittstellen, Daten, Qualitätsanforderungen, Migration, Tests und Abnahme aus Auftraggebersicht. Anforderungen werden so formuliert, dass Anbieter sie eindeutig beantworten und später nachweisen können.
Lastenheft und Pflichtenheft unterscheiden
Das Lastenheft definiert, was und wofür benötigt wird. Das Pflichtenheft beschreibt, wie und womit der Auftragnehmer diese Anforderungen realisiert. Diese Grundlogik folgt der VDI/VDE 3694:2014-04. Die Richtlinie wird derzeit überarbeitet; ein angekündigtes Projekt ist keine bereits gültige Neuausgabe.
Prozess
Wer tut was, wann und mit welcher Ausnahme?
System
Welche Funktion liegt in ERP, WMS, WCS oder Anlage?
Daten
Welche Objekte, Zustände und Nachrichten werden benötigt?
Nachweis
Wie wird jede kritische Anforderung getestet?
1. Zielprozesse zuerst
Wareneingang, Einlagerung, Nachschub, Kommissionierung, Verpackung, Versand, Inventur, Retouren und Störungen werden als Sollprozess beschrieben. Mengen, Auftragsstruktur, Spitzen und Servicelevel zeigen, welche Leistung erforderlich ist. Rollen und Entscheidungsregeln verhindern, dass Software einen ungeklärten Prozess lediglich digital festschreibt.
2. Systemgrenze und Schnittstellen
ERP, WMS, Warehouse Control System, Materialflusssteuerung, Automatisierung, Versand und Peripherie erhalten klare Verantwortungen. Funktionale Nachrichten wie Zugangserwartung, Zugangsmeldung, Bereitstellungsauftrag und Ausführungsmeldung werden unabhängig vom technischen Protokoll beschrieben. Die VDI 3969 bietet dafür weiterhin eine nützliche Funktionssicht; APIs, Ereignisarchitekturen, Security und Monitoring werden aktuell ergänzt.
3. Anforderungen prüfbar formulieren
| Schwach | Prüfbar |
|---|---|
| Das System soll schnell sein. | Die definierte Dialogfunktion antwortet unter vereinbarter Testlast innerhalb des Zielwerts. |
| Bestände müssen stimmen. | Buchungsereignisse, Toleranzen, Inventurregeln und Abgleichverfahren sind festgelegt. |
| Schnittstellen müssen stabil sein. | Timeout, Wiederholung, Idempotenz, Fehlerablage und Nachverfolgung sind beschrieben. |
4. Nichtfunktionale Anforderungen
Verfügbarkeit, Antwortzeit, Skalierung, Berechtigung, Protokollierung, Backup, Wiederanlauf, Archivierung, Datenschutz, Wartbarkeit und Support werden mit Systemgrenze und Messverfahren definiert. Diese Punkte entscheiden häufig stärker über den Betrieb als einzelne Komfortfunktionen.
5. Migration, Test und Cutover
Stammdaten, offene Aufträge, Bestände und Lagerplätze benötigen Eigentümer und Qualitätsregeln. Der Test führt von Funktionen über Schnittstellen und End-to-End-Prozesse bis zu Last, Wiederanlauf und Abnahme. Der Cutover beschreibt Datenfreeze, Inventur, Umschaltung, Rückfalloption und Stabilisierungsphase.
Projektbezug: Lagerverwaltungssysteme, Lagerplanung und Lastenheft und Pflichtenheft.