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Kommissioniersystem auswählen und dimensionieren

Nicht die einzelne Technik entscheidet, sondern das abgestimmte System aus Ware, Auftrag, Mensch, Information und Materialfluss.

Kurzantwort

Ein Kommissioniersystem stellt Teilmengen aus einem bereitgestellten Sortiment auf Basis von Aufträgen zusammen. Seine Leistung entsteht aus dem Zusammenspiel von Bereitstellung, Fortbewegung, Entnahme, Kontrolle, Abgabe, Information und Personal — nicht aus einer isolierten Geräteauswahl.

Was gehört zu einem Kommissioniersystem?

Ein Kommissioniersystem zu planen beginnt mit dem Auftrags- und Artikelprofil, bevor eine Technik ausgewählt wird.

Die klassischen Grundlagen der VDI-3590-Reihe strukturieren Kommissionierung als Gesamtsystem aus Material-, Informations- und Organisationsfunktionen. Für heutige Planungen werden diese Grundlagen durch aktuelle Anforderungen an Ergonomie, Software, Sensorik und Automatisierung ergänzt.

Die VDI 3657:2025-09 berücksichtigt neben physischen auch psychische Belastungen und digitale Assistenz. VDI 4481:2019-04 ergänzt die Personalbedarfsermittlung.

Auftrags- und Artikelprofil vor Technik

DatenbereichBeispielePlanungswirkung
ArtikelAbmessung, Gewicht, Umschlag, Gefahrgut, ChargeLagerzone, Entnahme und Hilfsmittel
AufträgePositionen je Auftrag, Stück je Position, ZeitfensterBatching, Zonen, Sortierung und Spitzenleistung
BestandReichweite, Saison, Reserve, NachschubBereitstellmenge und Nachschubstrategie
PersonalSchichten, Qualifikation, LeistungsstreuungArbeitsplätze, Einsatzplanung und Ergonomie
QualitätFehlertoleranz, Identifikation, RückverfolgungKontrolle, Assistenz und Systemführung

Die sechs Gestaltungsbausteine

  1. Bereitstellung: statisch oder dynamisch, Ware-zur-Person oder Person-zur-Ware.
  2. Fortbewegung: Gehen, Fahren, Fördern oder automatisches Zuführen.
  3. Entnahme: manuell, assistiert oder automatisiert; einschließlich Greif- und Handhabungsbedingungen.
  4. Kontrolle: Identifikation, Mengenprüfung, Gewicht, Scan und Rückverfolgbarkeit.
  5. Abgabe und Konsolidierung: Auftragsträger, Puffer, Sortierung und Versandübergabe.
  6. Information: WMS-Auftrag, Dialogführung, Status, Ausnahme und Rückmeldung.

Typische Systemfamilien vergleichen

SystemfamilieStärkenBesonders prüfen
Person-zur-WareFlexibel, geringer TechnikeinstiegWeganteil, Ergonomie und Spitzenpersonal
Ware-zur-PersonKurze Greifwege, hohe FlächennutzungNachschub, Sequenzierung und technische Verfügbarkeit
ZonenkommissionierungSpezialisierte Bereiche, parallele BearbeitungÜbergaben, Balancierung und Konsolidierung
Automatisierte EntnahmeReproduzierbarkeit und geringe LaufwegeArtikeltauglichkeit, Ausnahmen und Wirtschaftlichkeit

Dimensionierung für Spitzen statt Mittelwert

Die Auslegung basiert auf Auftragslinien und Entnahmen pro Zeit, nicht nur auf Auftragszahlen. Spitzenprofile, Pausen, Nachschub, Auftragsmix, Laufwege, Störungen und Schichtübergänge werden separat berücksichtigt. Die erforderliche Zahl von Plätzen und Personen ergibt sich aus effektiver statt theoretischer Leistung.

Ergonomie und digitale Assistenz

Greifhöhe, Greiftiefe, Lastgewicht, Wiederholrate, Körperhaltung und Laufwege beeinflussen Leistung und Gesundheit. Digitale Assistenz kann Such- und Kontrollaufwand senken, erzeugt aber eigene visuelle, akustische und kognitive Belastungen. Deshalb wird nicht nur geprüft, ob ein System technisch funktioniert, sondern ob Menschen es über eine ganze Schicht sicher und zuverlässig bedienen können.

Fachliche Grundlage

  • VDI 3590 Blatt 1 und 2, Grundlagen und Systemfindung für Kommissioniersysteme.
  • VDI 4481:2019-04, Personalbedarfsermittlung in der Kommissionierung.
  • VDI 3657:2025-09, ergonomische Gestaltung manueller Kommissioniersysteme.

Zur Anwendung: Lagerplanung, Lagertechnik und Lagerverwaltungssysteme.

FAQ

Häufige Fragen

Welche Kennzahl ist für die Auslegung entscheidend?

Meist sind Auftragslinien oder Entnahmen pro Zeit aussagekräftiger als Aufträge pro Zeit. Zusätzlich müssen Spitzenprofil und effektive Leistung berücksichtigt werden.

Wann ist Ware-zur-Person sinnvoll?

Bei geeignetem Artikelspektrum, hoher Entnahmeleistung und ausreichend stabilen Prozessen. Nachschub, Ausnahmefälle und technische Verfügbarkeit müssen mitdimensioniert werden.

Wie wird Personalbedarf berechnet?

Aus Arbeitsinhalt, Mengenprofil, effektiver Leistung, Schichtzeit und Zuschlägen für Neben- und Erholungszeiten. Erfahrungswerte werden mit realen Prozessdaten plausibilisiert.

Ist maximale Automatisierung immer wirtschaftlich?

Der höchste Automatisierungsgrad ist nicht automatisch wirtschaftlich. Artikelstruktur, Volumen, Schwankung, Ausnahmen, Lebenszykluskosten und Änderungsfähigkeit bestimmen den passenden Automatisierungsgrad.

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